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Wie das Web funktioniert
GrundlagenFree12 min read

Der Beruf ohne Werbung

Du kannst die gängigen Rollen im Feld unterscheiden, weißt, womit die Arbeitszeit tatsächlich vergeht, und kannst einschätzen, welche Richtung zu dir passt.

Dieses Kapitel verkauft dir nichts. Es beschreibt den Beruf so, wie er ist, weil das die Grundlage für eine Entscheidung ist, die dich Monate kostet.

Die häufigste falsche Vorstellung: Ein Entwickler schreibt den ganzen Tag Code. Tut er nicht. In den meisten Stellen geht weniger als die Hälfte der Zeit für das Tippen drauf.

Womit die Zeit tatsächlich vergeht

Grob und ehrlich, gemittelt über viele Stellen:

Tätigkeit Anteil
Fremden Code lesen und verstehen ein Drittel
Eigenen Code schreiben ein Viertel
Fehler suchen ein Fünftel
Reden: Abstimmung, Review, Fragen klären der Rest

Der erste Punkt überrascht die meisten. Man kommt in ein Projekt, das seit Jahren läuft, und die eigentliche Arbeit besteht darin herauszufinden, wo etwas passiert und warum es so gebaut wurde.

Der letzte Punkt überrascht ebenfalls. Softwareentwicklung ist ein Beruf, in dem viel geredet wird, und wer das nicht mag, wird unglücklich, egal wie gut er programmiert.

Die Rollen

Die Bezeichnungen sind nicht genormt. Zwei Firmen meinen mit demselben Titel oft Verschiedenes. Trotzdem gibt es Muster.

Daneben gibt es weitere, die im deutschen Markt vorkommen. DevOps oder Platform kümmert sich darum, dass Auslieferung und Betrieb laufen. Data arbeitet mit Auswertungen und Datenströmen. AI Engineer ist neu und meint meistens jemanden, der Sprachmodelle in Produkte einbaut und misst, ob die Antworten taugen. QA prüft systematisch, ob etwas tut, was es soll.

Was in Stellenanzeigen steht und was gemeint ist

Anzeigen sind Wunschzettel, keine Anforderungslisten. Ein paar Übersetzungshilfen:

"Drei Jahre Erfahrung mit X" heißt meistens: Wir wollen niemanden, der bei X bei null anfängt. Wer X sechs Monate ernsthaft benutzt hat und das belegen kann, bewirbt sich trotzdem.

"Vollstack" heißt in kleinen Firmen: Du machst alles. In großen heißt es oft: Du machst Frontend und darfst gelegentlich in eine Schnittstelle schauen.

"Wir suchen einen Rockstar" heißt: Wir haben kein Team, das dich einarbeitet.

Eine lange Liste von Technologien heißt selten, dass alle gebraucht werden. Sie heißt oft, dass die Anzeige von jemandem geschrieben wurde, der die Stelle nicht selbst ausübt.

Was tatsächlich zählt

Nicht die Zahl der Sprachen, die man kennt. Drei Dinge zählen, und sie stehen selten in Anzeigen.

Etwas fertig gemacht haben. Ein kleines Projekt, das läuft, echte Nutzer hat und dessen Fehler du selbst gefunden hast, ist mehr wert als zehn angefangene.

Prüfen können, statt zu glauben. Wer sagt "müsste jetzt gehen", ist im Beruf ein Risiko. Wer sagt "ich habe es aufgerufen, hier ist der Statuscode", ist einer, dem man Dinge übergibt. Das gilt heute doppelt, weil ein großer Teil des Codes mit Assistenten entsteht: Die Fähigkeit, das Ergebnis zu bewerten, ist wichtiger geworden als die, es zu tippen.

Erklären können. In der technischen Runde wirst du gebeten, deinen eigenen Code zu erklären und dann live zu ändern. Wer das nicht kann, kommt nicht durch, egal wie gut das Portfolio aussieht.

Welche Richtung zu dir passt

Eine grobe Orientierung, keine Zuweisung.

Wenn dich interessiert, wie sich etwas anfühlt, und du ein Auge für Details hast, die andere übersehen: Frontend.

Wenn dich interessiert, warum etwas bei zehntausend Nutzern zusammenbricht, und du gern an Zahlen arbeitest: Backend.

Wenn dich mehr die Frage umtreibt, ob überhaupt das Richtige gebaut wird: die Produktrichtung, und dann Product Engineer.

Am ehrlichsten ist: Du weißt es nach diesem Kurs noch nicht. Du weißt es nach dem ersten eigenen Projekt, das fertig geworden ist.

Exerciseabout 40 minutes

Zehn echte Stellenanzeigen auswerten

Du verschaffst dir ein eigenes Bild statt eines geliehenen.

  1. Suche auf einem Stellenportal nach "Frontend Entwickler", "Backend Entwickler" und "Product Engineer", jeweils in deiner Region oder ortsunabhängig.
  2. Öffne zehn Anzeigen, die dich ansprechen.
  3. Lege eine Tabelle an mit fünf Spalten: Firma, Titel, geforderte Technologien, geforderte Jahre, was die Firma eigentlich baut.
  4. Zähle, wie oft jede Technologie vorkommt. Die drei häufigsten sind dein Lernstoff, alles darunter ist Beiwerk.
  5. Markiere die Anzeigen, bei denen du nach dem Lesen weißt, was du den ganzen Tag tun würdest. Meistens sind es weniger als die Hälfte.

Done when

  • Du hast zehn Anzeigen in einer Tabelle erfasst.
  • Du kannst die drei am häufigsten geforderten Technologien nennen.
  • Du kannst für mindestens drei Anzeigen sagen, was die Arbeit konkret wäre.

Has it stuck?

6 cards from this lesson, 6 questions in the exam pool.